Moritz Krause: Namenlos

Schreibimpuls:

Ein Mann ohne Gedächtnis – in einer Bar – jemand hat seinen Namen vergessen – Dinge verschwinden

 

Es fing alles eines Tages an. Genau weiß ich das leider nicht, da viel Alkohol im Spiel war, aber erst mal zum Anfang. Wie jeden Tag ging ich zur Arbeit. Ich hasste meinen Job. Klos putzen, was Erbärmlicheres gibt es nicht. Den Mist anderer Leute wegzuwischen. Einfach nur eklig.

 

An diesem Tag war es soweit. Nach einer langen Woche hörte ich auf mich. Mein Kopf sagte mir: Junge, du bist jetzt 32 Jahre, so kann das nicht mehr weitergehen. Du fängst jetzt an zu leben.

 

Daher ging ich zu meinem Chef, nahm den Eimer mit Restwasser und schüttete ihm den Behälter über den Kopf. Es war für mich wie eine Befreiung.

 

Sofort wurde ich von zwei starken Männern rausgeworfen. Das war der Anfang meines neuen Lebens.

 

Tut mir leid, ich habe mich gar nicht vorgestellt. Ich bin Paul und lebe seit fünfzehn Jahren ohne Ausbildung und Plan in einer heruntergekommenen Ein-Zimmer-Wohnung in Berlin Wedding. Ein echt armseliger Typ, der noch nie eine Freundin hatte oder annähernd mit Frauen oder Mädchen zu tun hatte.

 

Somit beschloss ich, erst mal von vorne anzufangen. Ich hatte nun endlich Zeit, mich wieder mehr mit meinem besten Freund Simon zu treffen. Simon selber war mit zwölf Jahren an Winnie Puh hängen geblieben und lebte ausschließlich vom Selbstanbau seiner Pflanzen, welche er an Leute weitervertickte. Nein, nicht dass ihr jetzt denkt, er ist Dealer oder dergleichen. Nein! Er verkaufte seltene Blumen. Welche diese waren, dazu kann ich leider nichts sagen.

 

Aber weiter zur Geschichte. Simon und ich beschlossen, einen aufregenden Abend zu zweit mit ein paar Frauen zu unternehmen. Somit gingen wir in die Takka-Karacka-Bar im Osten unserer Hauptstadt, unweit der Warschauer. Dort endlich angekommen setzten wir uns an den Tresen. „Zwei Pils bitte, hübsche junge Frau.“

 

„Sehr gerne“, antwortete die kleine, aber gut aussehende Latina. „Das macht 3,80 pro Bier.“

 

Ich fasste an meine rechte Potasche, doch irgendwie war mein Portemonnaie verschwunden.

 

„Das mache ich. 8 Euro, bitte.“

 

„Vielen Dank!“

 

Trotzdem fragte ich mich, wieso mein Geldbeutel verschwunden war.

 

„Ach, kein Ding, Paul. Nicht jeder kann viel Geld haben. Dafür hast du viele Frauen.“ Er lachte, und ich dachte mir nur, warum ich ihn damals wegen so was angelogen hatte. Einfach nur, um besser dazustehen? Ich wusste es nicht und trank mein Pils genüsslich.

 

Plötzlich hatte ich keine Ahnung mehr, wer ich war und wo ich bin. Alles drehte sich. Ich sah eine Frau. Eine Frau, die mir alles gab und gleichzeitig wieder verschwand. Anfangs sah sie gut aus, doch ihr Charakter änderte sich, und dann wurde sie mir egal.

 

Doch dies war nicht alles. Ich gab ihr den Namen Noralo, ein ziemlich hässlicher Name, aber meine Situation in diesem Moment war nicht gerade besser. Dann wurde ich wieder normal und wachte mit dem Gesicht auf dem Tresen auf. Doch irgendwie waren meine Klamotten verschwunden und mein Name. Ich hatte ihn vergessen.

 

Somit verließ ich den Laden und torkelte heim. Simon war anderweitig im Gange, und ich wollte ihm seinen Spaß auf dem Tresen mit dem Bier in der Hand nicht verderben. Nach zwei Stunden kam ich endlich nach Hause, zerstörte davor die Wohnung meiner Nachbarin Elke und schlief auf dem Gang meiner Wohnung mit offenem Mund ein.

 

Als ich wieder wach wurde, merkte ich, dass alles nur ein Traum gewesen war. Träume bleiben eben Träume.

Moritz Krause