Matthias Höhne: Der Klimatisator

Schreibimpuls:

 

Ein Physiker mit zwei Katzen – jemand wird erpresst – eine Versammlung – es ist sehr heiß

 

Gleich würde Herr Schnappratz auf die Bühne gerufen werden. Im Kopf ging er noch einmal seine Präsentation durch, die technischen Details, die er nicht zu erwähnen vergessen durfte. Seine Erfindung würde die Raumklimatisierungstechnik revolutionieren – daher kam es ihm mehr als gelegen, dass heute der bislang heißeste Tag des Jahres war. Sofort würde sich das schweißgebadete Fachpublikum danach sehnen, seinen genialen Plan in die Tat umzusetzen und sich an der neu gewonnenen Sommerfrische seines Klimatisators 3000 zu ergötzen.

 

Es vibrierte in Schnappratz‘ Hosentasche – sein Handy. Dafür habe ich jetzt keine Zeit, dachte er, doch ein unbestimmtes Gefühl veranlasste ihn, den Anruf dennoch entgegenzunehmen. „Hier Schnappratz, kann ich Sie später zurückru…“

 

„Halt’s Maul, Alter!“, fuhr ihm eine rüde Stimme ins Wort. „Du wirst dich jetzt wegen Übelkeit entschuldigen, das Tagungszentrum verlassen und den Klimatisator nicht vorstellen. Ansonsten …“

 

Ein hilfloses „Miau“ drang durch die Telefonleitung. Dann ein wildes Fauchen. Mippy und Moppy, schoss es Schnappratz durch den Kopf, und er spürte, wie sich sein Körper verkrampfte und ihm das Herz schmerzte.

Nichts liebte Herr Schnappratz mehr als seine beiden Perserkater. Doch wer konnte so grausam sein, sie als Geiseln zu nehmen? Er überlegte fieberhaft, friemelte ein Stofftaschentuch aus seinem Leinenjackett und tupfte sich die Stirn. Unbekannt war ihm die Erpresserstimme nicht.

 

„Hast du verstanden?“

 

„J…ja“, stotterte der Physiker, eilte an verdutzten Kolleginnen vorbei, die auf ihr Zeitpanel warteten. „Tut mir leid, muss weg, bitte der Orga Bescheid geben“, rief er dem gelangweilten Portier mit Halbglatze und Pferdeschwanz im Vorbeigehen zu.

 

To be continued …

Matthias Höhne